Die Wahl eines Vollhartmetall-Schaftfräsers beginnt nicht im Katalog, sondern bei der Aufgabe: Welcher Werkstoff wird bearbeitet, welche Kontur soll entstehen, und wie weit muss das Werkzeug hineinreichen? Sind diese drei Fragen geklärt, ergeben sich Serie, Durchmesser, Schneidenzahl, Profil und Länge fast von selbst. In dieser Reihenfolge gehen wir vor, wenn uns ein Kunde um eine Empfehlung bittet – und nach denselben Kriterien sind unsere Schaftfräser für Metall sortiert.
Kein Schaftfräser bearbeitet alles gleich gut. Stahl, Edelstahl, Guss, Aluminium und Titan beanspruchen die Schneide auf ganz unterschiedliche Weise – deshalb bieten Hersteller Serien für bestimmte Werkstoffgruppen an. In europäischen Katalogen sind sie nach ISO 513 mit Kennbuchstaben und Farben markiert: P Stahl, M rostfreier Stahl, K Gusseisen, N Nichteisenmetalle, S warmfeste Legierungen und Titan, H gehärteter Stahl.
Von außen sieht man die Unterschiede zwischen den Serien selten – sie liegen in der Hartmetallsorte, der Beschichtung, dem Drallwinkel und der Schneidkantenpräparation. Zwei Regeln decken das meiste ab:
Ein Aluminiumfräser ist in Stahl nach wenigen Minuten verschlissen; ein Stahlfräser setzt sich in Aluminium zu und bricht. Deshalb gilt zuerst die Werkstoffempfehlung des Herstellers – ist die Serie falsch, rettet keine andere Einstellung das Werkzeug.
Mit „Fräserdurchmesser“ ist in der Regel der Schneidendurchmesser (DC) gemeint. Bei Standardgrößen – 6, 8, 10, 12 mm – ist der Schaftdurchmesser (DCON) gleich groß. Bei Zwischen- und Kleinstgrößen ist der Schaft meist größer als der Schneidteil, damit das Werkzeug in eine Standardaufnahme passt und steif bleibt.
Wählen Sie den größten Durchmesser, den die Kontur zulässt. Ein größerer Fräser ist steifer, drängt weniger ab, neigt weniger zum Rattern und trägt pro Durchgang mehr Material ab. Grenzen setzen die Kontur – mit einem 16-mm-Fräser lässt sich keine 12-mm-Nut fräsen – und die Maschine: Spindelleistung und Drehmoment, besonders bei angetriebenen Werkzeugen auf der Drehmaschine. Auch der Preis steigt mit dem Durchmesser.
Der Schaft muss zur Aufnahme passen. VHM-Fräser haben Schäfte nach DIN 6535: HA ist der glatte Zylinderschaft für Spannzangen-, Schrumpf- oder Hydrodehnspannfutter; hat eine seitliche Spannfläche für die Spannschraube eines Weldon-Futters, sodass sich das Werkzeug beim schweren Schruppen nicht herauszieht.
Mehr Schneiden bedeuten mehr Schnitte pro Umdrehung – also höheren Vorschub bei gleichem Zahnvorschub und eine bessere Oberfläche an der Wand. Der Preis dafür ist der Spanraum: Jede zusätzliche Schneide lässt weniger Platz für den Span und braucht mehr Leistung und Drehmoment.
In Katalogen zeigen zwei Piktogramme den Einsatzbereich – Schulterfräsen und Nutenfräsen. Fehlt das Nut-Piktogramm, ist der Fräser dafür nicht vorgesehen.
Innerhalb einer Serie hat der Standardfräser ein ausgewogenes Verhältnis von Schneidendurchmesser, Schneidenlänge und Gesamtlänge. Für besondere Aufgaben gibt es andere Längen – länger aber nur dann, wenn das Werkstück es verlangt, denn die Steifigkeit nimmt mit der Länge schnell ab.
Unabhängig von der Länge gilt: so kurz spannen, wie das Werkstück es zulässt. Jeder Millimeter Auskragung kostet Steifigkeit.
Zu unseren VHM-Schaftfräsern – oder schicken Sie uns Werkstoff, Kontur und Maschine, und wir schlagen Ihnen ein passendes Werkzeug vor.